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Naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten bei Hitzewallungen in den Wechseljahren

„Suppe, Kaffee und Frauen müssen heiß sein“, sagt ein karibisches Sprichwort. Wer es erdachte, hatte dabei wohl kaum die Frau im fünften und sechsten Lebensjahrzehnt im Sinn, für die heiß werden im Zusammenhang mit ihrer Weiblichkeit eine völlig andere Bedeutung bekommt, wenn die Perimenopause beginnt. Hierbei handelt es sich um die Hauptphase der Wechseljahre, in der es zu starken Schwankungen in der Östrogen- und Progesteronproduktion kommt. Sie dauert etwa fünf Jahre und ist derjenige Zeitraum, in dem die typischen Wechseljahrsbeschwerden am stärksten ausgeprägt sind. Klimakterische Hitzewallungen, auch Hot Flashes genannt, gehören zu den häufigsten Wechseljahrssymptomen und können den Alltag vieler Frauen massiv beeinträchtigen.

Ursache: Östrogenmangel

Hitzewallungen sind Körperempfindungen, die meist aus heiterem Himmel entstehen, sich aber auch ankündigen können. Als Ursache dieser anfallsweise auftretenden und nach wenigen Minuten wieder abflauenden Wärmeschübe werden Störungen in der Temperaturregulation vermutet, die durch das Absinken des Östrogenspiegels ausgelöst werden. Dieser verstellt kurzfristig den Sollwert des Temperaturzentrums. Eigentlich sind Hitzewallungen ein Versuch des Körpers, die Körpertemperatur herunter zu regeln: Der Hypothalamus gibt die Anweisung, die Blutgefäße zu erweitern. Dadurch gelangt mehr Blut an die Hautoberfläche und kann dort abkühlen. Diese Gefäßerweiterung äußert sich als plötzlicher Wärmeschub: eine Hitzewallung entsteht. De facto war der Körper nicht wirklich zu warm, aber durch die Hitzewallung wird eine Absenkung der Temperatur in Gang gesetzt.

Häufige Auslöser für Hot Flashes sind Stress, heftige Emotionen wie Angst, Wut oder Ärger, Sonneneinstrahlung, räumliche Enge, überheizte Zimmer sowie Alkohol und Koffein – allesamt Faktoren, die eher etwas erhöhend als dämpfend auf die Körpertemperatur wirken und deshalb das Gehirn anregen, einen Abkühlungsprozess in Gang zu setzen durch Gefäßerweiterung mit anschließendem Schwitzen und dem Entstehen von Verdunstungskälte auf der Hautoberfläche.

Typische Verlaufsformen

Hitzewallungen entstehen oft im Bereich von Brust oder Nacken, steigen von dort in den Kopf auf und breiten sich anschließend in der Körperperipherie aus. Manche Frauen erleben kurz vor Beginn der Hitzewallung eine Art „Aura“, die sich mit Herzklopfen und dem Gefühl bemerkbar macht, die Kleidung und der ganze Raum würden plötzlich zu eng. Auf der Oberlippe, im Nacken und nicht selten am ganzen Körper bricht nun der Schweiß aus, und eine Welle des Errötens flutet über das Gesicht. Viele Frauen greifen in solchen Momenten nach einem Gegenstand, um sich Kühlung zuzufächeln, oder suchen Linderung, indem sie sich vor einen geöffneten Kühlschrank stellen. Manche Betroffene erleben derart starke Wärmeschübe, dass sie sich am liebsten die Kleidung vom Leib reißen würden. Der Hitzeanfall endet mit einem Schweißausbruch, damit der Organismus über das Verdunsten des Schweißes abkühlen kann.

Es gibt zwar durchaus Frauen, die eine leichte Hitzewallung als positiven Energieschub erleben. Die meisten fühlen sich von den Wärmeanfällen jedoch nicht unerheblich gestört. Das gilt besonders für diejenigen Frauen, die im Beruf oft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, weil sie Vorträge halten oder Kunden bedienen müssen, und für all jene, deren Hitzewallungen so stark sind, dass sie danach regelmäßig die Kleidung wechseln müssen.

Die „fliegende Hitze“ tritt häufig auch in der Nacht auf und stört die für die Erholung so wichtigen Tiefschlafphasen. Dadurch kann sich ein chronisches Schlafdefizit aufbauen, das die Lebensqualität stark beeinträchtigt und sich negativ auf Konzentrationsvermögen und Leistungsfähigkeit auswirkt.

Sehr selten bis mehrmals täglich

Während ihrer Wechseljahre erleben fünfzig Prozent aller Frauen einige wenige oder sehr zahlreiche Hitzewallungen. In einer Studie der University of California zeichnete der Endokrinologe Howard Judd zwei Wochen lang die Hitzewallungen von zwanzig Frauen in der Perimenopause auf. Die insgesamt 1.041 untersuchten Wallungen dauerten im Durchschnitt dreieinhalb Minuten; die Zeitspanne reichte jedoch von fünf Sekunden bis zu einer ganzen Stunde. Jede Frau hatte pro Tag im Durchschnitt drei bis vier Hot Flashes. Das Durchschnittsalter der betroffenen Frauen lag bei achtundvierzig Jahren. Eine Frau bekam im zweiwöchigen Untersuchungszeitraum nur zwei Hitzewallungen, eine andere fast zweihundertfünfzig. Mehr als die Hälfte der Hot Flashes begann im Nacken, am Kopf, auf der Kopfhaut und an den Ohren. Bei mehr als zehn Prozent der Frauen waren die Schweißausbrüche so stark, dass sie ihre Tätigkeit unterbrechen und eine Möglichkeit suchen mussten, um sich abzukühlen und umzuziehen. Frauen, die früher auch in der Nacht gefroren und stets mit Söckchen geschlafen haben, halten in der Perimenopause die Bettwärme nur noch in leichter Nachtwäsche aus. Viele meiden Hautkontakt mit anderen Menschen, weil ihnen unangenehm warm ist. In den Sommermonaten halten sie sich weniger im Freien auf und ziehen sich gerne in kühle, klimatisierte Räume zurück, weil die Sommerhitze bei ihnen regelmäßig Wärmeschübe auslöst.

Naturheilkundliche und ordnungstherapeutische Möglichkeiten in der Behandlung von Hitzewallungen

Für ein ausgeglichenes Hormonsystem: Steirofemin®

Die Homöopathie kennt vier Einzelmittel, die, teilweise schon seit Hahnemanns Zeiten, für die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden und hier vor allem gegen Hitzewallungen bekannt sind:

  • Cimicifuga
  • Ignatia
  • Sanguinaria
  • Sepia officinalis

Ihre exakt in dieselbe Richtung zielende und einander synergistisch ergänzende Wirkung ist der Grund für die Rezeptur des Wechseljahrsmittels Steirofemin®, das die vier Einzelwirkstoffe als Dilution in den Potenzen D3, D4, D6 und D8 enthält.

Cimicifuga racemosa, Wanzenkraut, hat den „Blutandrang zum Kopf“ unter seinen Leitsymptomen. Stauffer nennt es lakonisch ein „Frauenmittel für das gefährliche Alter“ und empfiehlt es bei Schlafstörungen unterschiedlichster Genese, vor allem als Folge von Herzklopfen und nächtlichen Schweißausbrüchen.

Strychnos ignatii, die Ignatiusbohne, ist als Mittel für hysterisch-nervöse Beschwerden in der Lage, Dysbalancen in der hormonellen Regulation und in der Temperaturregulation sanft auszugleichen. Typisch für Ignatia sind Beschwerden, die mit großer Veränderlichkeit und einem schnellen Umschlagen des körperlichen Zustandes in sein Gegenteil einhergehen, wie es für Hitzewallungen typisch ist. Die Beschwerden verschlimmern sich durch Kaffee, Alkohol, Nikotin, Geräusche und Sonnenlicht. Der körperliche und emotionale Zustand der betroffenen Frau ist nervös, empfindlich, leicht erregbar und überaus wechselhaft. Hier wirkt Ignatia ausgleichend und stabilisierend. Stauffer empfiehlt Ignatia dezidiert bei „Blutwallungen und Gesichtsröte bei geringster Erregung“, Clarke bei „Schwere des Kopfes, als wenn er zu sehr mit Blut angefüllt wäre“. Der schnelle Wechsel des körperlichen Zustandes in einen anderen zählt zu den Leitsymptomen dieses Mittels.

Sanguinaria canadensis, die kanadische Blutwurzel, hat deutliche vasomotorische Störungen unter ihren Leitsymptomen wie „Wangenröte, Hitzewellen, Blutandrang zum Kopf und zur Brust … sehr brauchbar bei klimakterischen Störungen“, wie Boericke schreibt. Auch Stauffer nennt unter den Leitsymptomen „Blutzirkulation erregt, Wallungen zu Kopf und Brust und hektische Rötung, klimakterische Störungen, Hitzen, Herzklopfen und Pulsieren im ganzen Körper“. Wenn Hitzewallungen mit Frostschauern wechseln, ist Sanguinaria das Mittel der Wahl. Auch Clarke empfiehlt Sanguinaria bei „Blutandrang zum Kopf mit Hitzewallungen“.

Sepia officinalis, die homöopathisch potenzierte Tinte des Tintenfisches, ist ein explizites Frauenmittel und wird auch „die weibliche Nux vomica“ genannt. Stauffer empfiehlt sie dezidiert bei „Beschwerden der Wechseljahre: Wallungen, Hitzen, Schweiße“. Schweißausbruch am ganzen Körper, Blutstauungen, Druck auf der Brust und klaustrophobische Zustände gehören ebenfalls zu den zentralen Symptomen von Sepia. Auch Boericke empfiehlt das Mittel bei „Wallungen in der Menopause mit Schwäche und Schweißausbruch“.

Patientinnen, die chronisch unter Hitzewallungen leiden, können täglich 40 Tropfen Steirofemin® einnehmen, die sie in einen halben Liter Wasser geben und über den Tag verteilt trinken sollten. Akute Hitzewallungen werden mit 3–5 Tropfen behandelt, die direkt pur auf die Zunge geträufelt werden. Um den hypophysär-hypothalamischen Regelkreis und damit die Hormonausschüttung zu stabilisieren und auszubalancieren, empfiehlt sich die zusätzliche Verordnung von Phyto-L® und Hepaplex® von Steierl-Pharma.

Praktische Tipps

Alles, womit sich eine plötzliche Erhöhung der Körpertemperatur vermeiden lässt, ist für das Management von Hitzewallungen gut geeignet. Dazu gehört, mehr Entspannungsfreiräume in den Alltag einzubauen, sich mit entsprechenden Atemtechniken innerhalb von Minuten selber beruhigen zu lernen, sich vorzugsweise im Schatten aufzuhalten, enge Räume nach Möglichkeit zu meiden, auch im Winter die Heizung nicht zu stark aufzudrehen und bei Getränken Mineralwasser, Saftschorle und beruhigende Kräutertees anstelle von Kaffee oder schwarzen Tee zu wählen. Eine Tasse heißer Tee, stark gewürzte Speisen oder ein hitziger Familienstreit reichen manchmal schon aus, um wieder einen plötzlichen Wärmeschub in Gang zu setzen. Speisen, die mit frischen Kräutern gewürzt werden, lösen seltener eine Hitzewallung aus als Mahlzeiten mit viel Curry, Ingwer oder Pfeffer. Das häufige Trinken von kaltem Wasser wirkt den Wallungen entgegen. Übrigens auch Sojaproteine. In Japan, wo sich die Bevölkerung reichlich von Soja in diversen Zubereitungsformen ernährt, gibt es für das Phänomen der Hitzewallungen nicht einmal ein eigenes Wort. Der regelmäßige Genuss von Sojamilch, Sojasauce, Tofu, Sojageschnetzeltes etc. wirkt bei manchen Frauen gegen Hot Flashes geradezu wie ein Medikament. Eine Studie belegt: Bei Frauen, die täglich 40 Gramm Sojamehl verzehrten, nahmen die Hitzewallungen rasch und deutlich ab. Innerhalb von anderthalb Monaten sanken ihre Zahl und Intensität um etwa 40 Prozent. Auch der an pflanzlichen Östrogenen sehr reiche Leinsamen wirkt sich bei manchen Frauen lindernd auf die Beschwerden aus.

Frauen, die sich in einem kühlen Raum (19° Celsius) aufhalten, haben einer Studie zufolge signifikant weniger und schwächere Hitzewallungen als Frauen in einem wärmeren Raum (31° Celsius). Eine Klimaanlage für das Homeoffice kann also eine durchaus lohnenswerte Anschaffung sein. Frauen, die im Hochsommer in stündlichen Abständen schweißgebadet aufwachen, schlafen oft problemlos durch, wenn sie ihr Schlafzimmer in der Nacht auf deutlich unter zwanzig Grad herunterkühlen. Patientinnen, die unter nächtlichen Hitzewallungen leiden, sollten abends nur eine sehr leichte Mahlzeit zu sich nehmen und ein dünnes Baumwollshirt oder leichte, atmungsaktive Funktionsunterwäsche als Schlafanzugersatz wählen, um einen Wärmestau zu vermeiden. Sedierende Tees oder pflanzliche Urtinkturen aus Baldrian, Melisse, Passionsblume oder Hopfen fördern das Ein- und Durchschlafen. Das Schlafzimmer sollte kühl und gut gelüftet sein, das Oberbett atmungsaktiv und nicht zu schwer. Eine Raumbeduftung mit ätherischen Ölen aus Weihrauch, Lavendel, Ylang-Ylang oder Melisse wirkt beruhigend und kühlend.

Bei der Kleidung hat sich der sog. Zwiebel- oder Lagenlook bewährt. Statt im Winter einen Wollpullover zu tragen, den man bei einem Wärmeschub nicht ausziehen kann, ohne in der Unterwäsche dazustehen, empfiehlt sich beispielsweise ein modisches T-Shirt als Unterhemdersatz, darüber eine Bluse und darüber wiederum eine Strickjacke. Ein Cardigan lässt sich unkompliziert ausziehen und eine Bluse ebenfalls, wenn man darunter ein schickes T-Shirt trägt. Beide Kleidungsstücke kann man ebenso schnell ablegen, wenn die Hitzewallung im Anmarsch ist, wie auch wieder anziehen, wenn es einem beim Frösteln nach dem Schweißausbruch zu kalt wird. Ideal ist atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Bei Kleidungsstücken mit hohem Polyesteranteil kommt es öfter zu einem Wärmestau, der wiederum eine Hitzewallung auslösen kann. Bewährt hat sich auch, immer ein Kosmetiktäschchen mit Feuchttüchern und einem Deospray in der Handtasche bereit zu halten, um sich – beispielsweise vor einer Besprechung – noch einmal kurz frisch machen zu können.

Eine der besten Therapien gegen Hitzewallungen ist übrigens Sport: Einer Studie zufolge leiden nur 6 % der klimakterischen Frauen, die regelmäßig Sport treiben, unter Hot Flashes, jedoch 25 % der Frauen, die sich nicht sportlich betätigen. Wer sich oft bewegt, schwitzt seltener!

Literatur

Ursel Bühring, Michaela Girsch: Praxis Heilpflanzenkunde. Haug Verlag bei Thieme, Stuttgart 2016

Elvira Bierbach, Michael Herzog: Handbuch Naturheilpraxis. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2005

Meinert Breckwoldt, Manfred Kaufmann, Albrecht Pfleiderer: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag, Stuttgart 2007

Sigrid Engelbrecht: Hitzewallungen? Ich lauf mich nur warm für den Neustart. Knaur Verlag, München 2019

Bernd Kleine-Gunk: Das Frauen-Hormone-Buch. Trias Verlag in Medizinverlage Stuttgart, 2010

Hilke D. Morgenthal: Das Wechseljahre Buch – Symptome, Ursachen, Abhilfe. Manthee Media, Friedrichsdorf 2020

Susan Love: Das Hormonbuch. Was Frauen wissen sollten. Fischer Verlag, Frankfurt 2005

Rina Nissim: Naturheilkunde in der Gynäkologie. Orlanda Verlag, Berlin 2008

Rüdiger Schmitt-Homm, Simone Homm: Handbuch Anti-Aging und Prävention. VAK-Verlag, Kirchzarten 2013

Anneliese Schwenkhagen, Katrin Schaudig: Kompass Wechseljahre – Von Hitzewallungen bis Gewichtszunahme. Trias Verlag in Medizinverlage Stuttgart, 2015

Hildebert Wagner, Markus Wiesenauer: Phytotherapie – Phytopharmaka und pflanzliche Homöopathika. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2003

Hans-Werner Wahl: Die neue Psychologie des Alterns – Überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase. Kösel Verlag, München 2017

Katja Wenzel: Die Schlaf-Formel für Frauen. Kjelt und Weigelt Verlag, 2019

Max Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008

Andrej Zeyfang, Ulrich Hagg-Grün, Thorsten Nikolaus: Basiswissen Medizin des Alterns und des alten Menschen. Springer Verlag, Berlin und Heidelberg 2013

Die vier homöopathischen Einzelmittel wurden repertorisiert nach:
Der Neue Clarke. Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker. 6418 Seiten. Dr. Grohmann Verlag für homöopathische Literatur, Bielefeld 2001
Karl Stauffer: Klinische Homöopathische Arzneimittellehre. Johannes Sonntag Verlagsbuchhandlung, Regensburg 1955
William Boericke: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen. Verlag Grundlagen und Praxis, Leer 1973